Exzerpte 


Rüdiger Safranski (2004): Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?

Exzerpt der Einleitung: Unterschied Mensch und Tier

 

Der Philosoph und Literaturwissenschaftler – Publikationen u. a. zu Goethe und Schiller, Hölderlin, Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger – beginnt seinen bei Fischer (Frankfurt/M.) erschienenen Beitrag (118 S.) mit Charakterisierungen des [qualitativen] Unterschieds zwischen Mensch und Tier: Der Schimpanse lernt qua »Verstand« aus Erfahrung und gebraucht Werkzeuge, also Mittel zu bestimmten Zwecken, die ihm qua Instinkt vorgegeben sind. Vernunft zu haben bedeutet, auch noch Zwecke definieren zu können. Voraussetzung dessen ist Gegebensein eines Selbstverhältnisses, das Selbstdistanz ermöglicht. [Ein Schimpanse kann nicht über sich selbst sagen, dass er ein Tier ist und als solches vom Menschen verschieden. Anders als der Primatenforscher entwickelt er kein Forschungsdesign, seine Unterschiede und Ähnlichkeiten zum Menschen betreffend. Und er hat wohl nicht einmal Allgemeinbegriffe von dem, womit er umgeht, etwa vom Typ Werkzeug als »Zuhandenes« (Heidegger).] Selbstdistanz wiederum gestattet ein Überblicken von Zweck-Mittel-Relationen. Daran, dass sich der Mensch langfristige Ziele setzen kann, zeigt sich: Im Unterschied zum »Verstand« (»Wissen«) des Schimpansen, dessen Wollen an Instinkte gebunden bleibt, kann Wissen des Menschen sein Wollen in der Weise bestimmen, dass Wissen nicht nur dem Wollen dient, sondern Wollen hervorbringt. Verfügung über Wollen ist eine Leistung der Vernunft als »Schritt des Aus-sich-Heraustretens, des Transzendierens« (7). [7]